Seit dem 1. Juli 2026 ist sie die Neue im Interpastoralen Pfarrteam (IPT) der Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde Mark. Zwar ist sie im Kirchkreis Iserlohn keine Unbekannte, denn von 1999 bis 2008 hat sie als Öffentlichkeitsreferentin hier im Kirchenkreis gearbeitet. Nun ist Pfrn. Renate Weißenseel, verheiratet und Mutter einer erwachsenen Tochter, zurück und von der Landeskirche zur Unterstützung des Teams in Altena, Nachrodt und Wiblingwerde in eine landeskirchliche Pfarrstelle entsandt.
Die Größe, die Schönheit, den Strukturwandel und die außergewöhnliche Ausdehnung der Gemeinde mit ihren steilen Wegen hat sie zusammen mit der Gemeindeschwester Claudia Sauer in einer Berg- und Tal- Erkundungsfahrt kennengelernt. Dabei haben die Beiden auch einzelne Altenheime besucht.
Den Menschen in der Gemeinde sehen
Dasein für die Menschen. Sie nicht aus den Augen zu verlieren, gerade im Prozess der Umbruch- und Umstrukturierungssituation der Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde Mark, ist dies wohl eine der wichtigsten Aufgaben der gesamten Gemeinde in Altena, Nachrodt und Wiblingwerde, deren Fäden beim Interprofessionellen Pfarrteam zusammenlaufen. Vertrauen erhalten und stärken, trotz der weiten Wege. Die Gemeinschaft fördern und der neuen Einheit eine Perspektive geben, dazu braucht es verlässliche, zugewandte Arbeiterinnen und Arbeiter im Weinberg Gottes.
Seelsorge als Aufgabe
Der Schwerpunkt des Auftrags von Pfrn. Renate Weißenseel ist die „Seelsorge“. „Man wird mich dabei insbesondere in der Arbeit um Tod und Trauer, also in der Bestattungsarbeit, im „Seelsorgebedarf“ in den Pflegeheimen oder in anderen Bereichen finden. Aber ich komme auch im Predigtplan vor“, sagt sie und beschreibt im Gespräch ihre Motivation, sich dieser Arbeit im Besonderen anzunehmen.
„Mir ist das Wichtigste den Menschen mit Leib und Seele zu sehen. Da stehe ich für. Ich möchte ihnen in Würde begegnen, das ist mir ein Herzensanliegen und eine Grundvoraussetzung aus meinem Glauben heraus.“
All das ist schnell zu spüren, als ich sie bei ihrer Arbeit, einem Trauergottesdienst mit anschließender Urnenbestattung begleite. Zugewandt, herzlich, offen wendet sie sich den Hinterbliebenen und der Trauergemeinde freundlich zu und hat eine tröstende Botschaft über den Tod hinaus, die auch mich als „Unbeteiligten“ anrührt. Bis zum Abschied am Grab ist sie für die Gemeinde da.
Trauerbegleitung
Das Thema Trauer begleitet sie schon aus dem jungen Erwachsenenalter heraus. „Schon meine 2. Examensarbeit habe ich zum Thema Trauer geschrieben, die Thematik liegt mir durchgängig am Herzen, denke ich doch, dass wir uns als Menschen nicht guttun, wenn wir den Tod versuchen zu ignorieren oder zu verbannen – Endlichkeit gut gestalten, könnte bestenfalls dabei rauskommen. Ich möchte einem gesellschaftlichen Trend, der Todesverdrängung entgegenwirken und den Tod ins Leben integrieren und helfen verstehen zu lernen, dass wir endlich sind. Trauern und Traurigsein gehören dazu. Das braucht Raum und Zeit und auch
begleitende Rituale“, sagt Pfrn. Renate Weißenseel und es ist ihr wichtig auf die vielen Anlaufstellen hinzuweisen, die differenzierte und spezielle Seelsorge-Angebote für Trauernde machen.
Trauer gestalten
„Trauer sucht Ausdruck, will ge- und durchlebt werden. Die Menschen dabei zu begleiten, dafür sind wir vom IPT in Ihrer Gemeinde da, sowie auch in unserem Trauercafé Momo. Dort schenken geschulte Trauerbegleiter Zeit, sind für die Gemeinde da und hören zu. Jede und Jeder kann uns dazu ansprechen“, sagt sie und ergänzt: „Darüber hinaus gibt es auch überörtliche Angebote z.B. von der Diakonie und anderen. Hier werden Reisen für Trauende oder künstlerische Tagungen und mehr vorgehalten.“ Und auch hier hat sie persönliche Erfahrungen gemacht und Kompetenzen erworben. Als Pfarrerin und ausgebildete systemische Coach hat sie gemeinsam mit anderen in Trauerseminaren Menschen in besonderen Lebenslagen und Phasen begleitet.
Lebendige Gemeinde
Wenn auch ihr Schwerpunkt im Auftrag in der Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde die Seelsorge und Trauerbegleitung ist, so gibt es noch andere Bereiche, in denen Pfrn. Weißenseel zuhause ist. Schon vor ca. 30 Jahren hat sie Taufen an offenen Gewässern und andere besondere Gottesdienste durchgeführt und Kreiskirchentage und Landeskirchentage mitorganisiert.
Mit ihren Zusatzausbildungen zur systemischen Coach und Kommunikationswirtin kann sie auch den Veränderungsprozess der Gemeinde begleiten.
Perspektiven und gelingende Zukunft
„Mir ist wichtig das Leben wertvoll zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen“, sagt sie und weiß, wie notwendig es ist, lebbare, die Gemeinde fördernde Perspektiven zu entwickeln, damit alle gemeinsam als eine Gemeinde mutig trotz alledem in eine gelingende Zukunft blicken und gehen können.


Text und Foto: Bernhard Laß