
Rund 40 Teilnehmende, darunter fast das gesamte Presbyterium, kamen am Mittwochabend in Nachrodt zusammen, um im Rahmen der sogenannten „Zukunftsgespräche“ über die Perspektiven der Gebäude der evangelischen Kirchengemeinde zu beraten. Den Abend eröffnete der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums, Dan Ossenberg-Engels, mit Worten von Lothar Zenetti. Durch die Veranstaltung führte anschließend Kay Kürschner, der Finanzkirchmeister, der umfassend über aktuelle Zahlen, Entwicklungen und Prognosen informierte.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die zunehmend angespannte finanzielle Situation der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark. Als zentrales Problem wurde die notwendige Bildung von Substanzerhaltungsrücklagen benannt, die erhebliche Belastungen für den Haushalt darstellen. Ohne Eingreifen und notwendige Einsparungen reichen die derzeit verfügbaren Finanzmittel der Kirchengemeinde voraussichtlich nur noch bis Ende 2029.
In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich gemacht, dass sowohl die angespannte finanzielle Lage als auch Vorgaben des Kirchenkreises zur Reduzierung des Gebäudebestandes dazu geführt haben, dass sich die Kirchengemeinde von Gebäuden trennen muss – darunter auch von denen in Nachrodt.
Dabei wurde ausdrücklich betont, dass es der Kirchengemeinde ein zentrales Anliegen ist, dass das evangelische Leben in Nachrodt auch künftig erhalten bleibt und weitergeführt werden kann – unabhängig davon, welche Lösungen für die Gebäude gefunden werden.
Besonders deutlich wurde an diesem Abend die Bedeutung des Standorts Nachrodt. Die vorhandenen Gruppenangebote werden gut angenommen, und viele Menschen sind auf geeignete Räumlichkeiten angewiesen, um Gemeinschaft zu erleben. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass sowohl an der Kirche als auch am Pfarrhaus Sanierungsbedarf besteht, während sich das Gemeindehaus aktuell in einem sehr guten Zustand befindet.
Sobald verlässliche Angaben und konkrete Bewertungen zu den Gebäuden vorliegen, die veräußert werden sollen, wird die Kirchengemeinde diese Informationen öffentlich machen. Ein Gutachter ist bereits beauftragt und hat seine Arbeit aufgenommen; bis Juli sollen für alle Gebäude entsprechende Bewertungen und Gutachten erstellt sein. Wer zudem Einblick in die präsentierte PowerPoint erhalten möchte, kann diese beim stellvertretenden Presbyteriumsvorsitzenden anfragen.
In der Diskussion wurden zahlreiche Ideen entwickelt, um auch künftig Räume für das Gemeindeleben zu sichern. So wurde angeregt, Gespräche mit der Lenneschule sowie der Grundschule Nachrodt zu führen, um möglicherweise deren Räumlichkeiten nutzen zu können. Auch eine intensivere Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche wurde ins Spiel gebracht – etwa durch die Nutzung der St.-Michaelis-Kapelle in Einsal. Ebenso wurde vorgeschlagen, bei der Lennekirche nach möglichen Zeitfenstern anzufragen sowie örtliche Seniorenheime einzubeziehen.
Ein überraschender Beitrag kam von Herrn Holtkemper, ehemaliger Direktor des Altenaer Burggymnasiums, der als Vertreter des Vereins „Freundeskreis Kulturgüter Haus Nachrodt e.V.“ dessen Arbeit vorstellte. Der Verein plant, das Logierhaus Nachrodt umzubauen und dort eine Versammlungsstätte für „alle“ zu schaffen. Derzeit wird intensiv an der Finanzierung gearbeitet. Perspektivisch könnte hier auch ein Ort entstehen, an dem Gruppen der evangelischen Kirchengemeinde ein neues Zuhause finden.
Auch Frau Tupat verwies auf Planungen der Kommune Nachrodt: Nach der Fertigstellung eines Bürgersaals könnte dieser künftig ebenfalls von der Kirchengemeinde genutzt werden. Als positives Beispiel nannte sie zudem den Förderverein der Bauernkirche, der unter anderem mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gute Erfahrungen gemacht habe. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass der Gemeinde Nachrodt derzeit die finanziellen Mittel fehlen, um das Gemeindehaus der Kirchengemeinde selbst zu übernehmen.
Sollte sich kein Investor für die kirchlichen Gebäude finden, wurden aus den Reihen der Teilnehmenden auch unkonventionelle Lösungsansätze diskutiert. So stand die Möglichkeit im Raum, eine Kirchenruine entstehen zu lassen oder alternativ Containerlösungen zu schaffen, um weiterhin Treffpunkte anbieten zu können. In diesem Zusammenhang wurde auch der Wunsch nach Lockerungen seitens des Denkmalschutzes deutlich formuliert. Dieses Anliegen wird vom Presbyterium unterstützt und soll in die Superintendentur des Kirchenkreises eingebracht werden.
Zum Abschluss des Abends schloss der stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende Dan Ossenberg-Engels die Veranstaltung mit den bekannten Zeilen von Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“
Trotz der erkennbaren Herausforderungen gingen die Teilnehmenden mit einer gewissen Zuversicht auseinander, dass tragfähige Lösungen gefunden werden können. Das Presbyterium betonte dabei ausdrücklich seinen Anspruch, den weiteren Prozess transparent zu gestalten. So besucht z.B. auch das Pastoralteam die einzelnen Gruppen der Kirchengemeinde und steht so für Gespräche zur Verfügung. Man sei offen für neue Ideen zur Nutzung der Gebäude sowie zur Investorensuche und freue sich über ein reges ehrenamtliches Engagement aus der Gemeinde. Interessierte hatten am Ende der Veranstaltung die Möglichkeit, sich für weitere Informationen oder zur Teilnahme an einem Ideenfindungsworkshop in eine Liste einzutragen.
Dem Wunsch unseren Haushaltsdaten hier zu veröffentlichen können wir aus Datenschutzgründen leider nicht nachkommen. Sollten Sie Interesse an vertiefendem Zahlenmaterial haben oder Einsicht in den Haushalt wünschen, wenden Sie sich bitte an die Gemeinde: is-kg-trinitatis@EKvW.de .
Hier finden Sie noch einmal alle bisher geplanten öffentlichen Termine im Zusammenhang mit den angekündigten Veränderungen:
• 15.04. 19:00 Uhr: Gemeindehaus Nachrodt
• 21.04. 19:00 Uhr: Gemeindehaus Wiblingwerde
• 28.04. 19:00 Uhr: Gemeindehaus Mühlendorf
• 05.09. 10:00 Uhr: Zukunftswerkstatt im Lutherhaus
Interessierte und Gemeindeglieder können sich über diesen
Link/ QR-Code für eine Beteiligung registrieren: https://forms.office.com/e/iAf7e0aDxt

